GMX-Dead-Vintage

Wenn es nervt, dann verlasse es – Kundenservice mit Füßen abstrafen

  • Sechzehn Jahre und 165 Tage bin ich nun bei GMX.
  • Vierzehn Jahre und 186 Tage habe ich bei GMX ein Profi-Account.
  • Zehn Jahre und 329 Tage bin ich TopMail Kunde bei GMX.

Und nun wird eine Ära für mich zu Ende gehen. United Internet / GMX wird es nicht kratzen. Ich bin eine Nummer unter vielen, zwar ein Zahler aber was soll es. Das Geld was ich bezahle wird lieber in Werbung gepumpt die mir eintrichtern soll, dass ich tollen Service bei dem Unternehmen habe, anstatt mir tatsächlich Service zu bieten.

GMX war mal ein aufstrebendes kleines Unternehmen, was neben einer kurzen Mail-Adresse mir am Anfang die Möglichkeit gab damals vom nervenden AOL wegzukommen. Inzwischen ist aber GMX zu dem geworden, was ich damals an AOL gehasst hatte. Die arrogante Art allumfassend aufzutreten, alles anbieten zu wollen, Dienste zu integrieren die ich bezahlen aber nicht nutzen mochte und andere Dinge rauszuwerfen, die ich dringend brauchte.

Nerv-Liste

Hier mal eine lockere Zusammenstellung, was alles an GMX mich zur Weißglut bringt:

  • Wenn ich den WebMailer benutze, dann nervt mich das superumständliche Portal. Es sieht inzwischen mehr nach AOL-Hochglanzmagazin aus, als nach einem Online-Postfach
  • Damit ich mich anmelden kann, muss ich mich erst durch JavaScript gepuzzelte Animationen wühlen
    • Außer man kennt die “geheime” Hintertür des eigentlich nicht mehr unterstützten Logins: https://service.gmx.net/login
  • Extrem langsamer Zugriff auf MediaCenter
    • Den ich nicht nutze, auch nicht das Fotoalbum, nicht den WebSpace
  • Ich nutze auch die Frei-SMS nicht
  • Die alte “Web-Mailer” Oberfläche ist alt. Die neue Web-Mailer-Oberfläche ist eine Katastrophe an Bedienung.
  • Premium-Angebote im Mail-Account
  • Die alte Blacklist von GMX konnte ganze TLD [1] killen. So konnte ich jegliche Mails auf *.br aus meinem Spam raushalten. Das funktioniert nicht mehr. 90% meines Spam-Aufkommens kommt aus *.br Domains.
  • Die Web-Oberfläche kann nicht nach Mail-Adressen sortieren. Man kann nicht mal die Mail-Adresse anzeigen. Es wird nur der Absender-Name (Frank Mustermann) angezeigt.
  • Die Lüge der sicheren Deutschland-Mail [2]
  • Die nervende [3] Aufforderung bis zur Nötigung zu De-Mail [4] und gleichzeitig mir keine Möglichkeit der Authentifizierung [5] zu geben
  • Die nötigenden FUD-Meldungen im Browser [6], um mich vor Ad-Blockern zu warnen (Hey, GMX: ICH ZAHLE FÜR DEN SERVICE!)
  • Die Sperrung meines Accounts [7], weil meine E-Mail-Adressen angeblich im BSI-Datenpool liegen. Ohne zu informieren, welche Mail-Adresse das sein soll.
  • HTML-Mails von GMX ohne eingebettete Bilder (Umfragen, Newsletter, usw)

Ich bezahle 4,99€ pro Monat, also 29,94€ für meine Halbjahresrechnungen was knapp 60€ im Jahr sind. Für jede Menge, was mich nervt, was ich nicht nutze. Für die Bevormundungen, die nicht mal korrekt erklärt werden. Ich werde mit Pseudo-Newsdiensten zugeballert, die auf unterstem Bild-Niveau agieren und werde auch noch angepampt, wenn ich eine AdBlocker verwende. Das mit ziemlich dreisten Lügen.

Wo ich mich nicht daran stören kann (obwohl einmal mein Postfach verschwunden war und aus einem Backup gerettet werden musste) ist die Verfügbarkeit. Nur wenige Störungen gab es in den vielen Jahren. Mehr in der Anfangszeit. Aber es gab mal einen E-Mail-Service, der nun nicht mehr existiert. Zwar kann ich als TopMailer mit Premium-Account eine Festnetznummer anrufen, aber da liege ich ggf. mal 3 bis 20 Minuten in der Warteschleife [8]. Darf man also nur mit Flatrate machen…

trenner

Fazit

Es ist an der Zeit sich zu verabschieden, GMX. Ich habe als Abschiedsgeschenk noch bei der aktuellen Zufriedenheitsumfrage mitgemacht. Aber auch da wird nur allgemeines BlaBla abgefragt und man kann gerade mal sich über die viele Werbung beschweren.

Ich werde meinen Bezahl-Account kündigen und auf FreeMail wechseln (zumindest ist jetzt endlich möglich darüber auch verschlüsselt zu arbeiten). Ich werde mir einen neuen Anbieter suchen, überall meine neuen Mail-Adressen verbreiten und die GMX-Adressen weiterleiten. Alle meine Mails seit 1997 lagern sowieso auf meinem Heim-PC (weil ich schon immer per POP abhole und IMAP faktisch nicht nutze), somit habe ich geringen Umzugsstress.

Einzig muss ich die GMX-Mails aktiv nutzen, bis ich in allen Foren und Shops, meine Accountdaten angepasst oder gelöscht habe. Denn das erfordert ja häufig eine Bestätigungsmail. Und vielleicht in ein paar Monaten werde ich die Adressen mit den umfangreichsten Black-List-Filtern versehen und den Spam-Ordner nach 3 Tagen löschen lassen. Ganz entfernen werde ich meine Adressen nicht, weil ich nicht will, dass diese irgendwann von jemanden anders verwendet werden können. Dafür war ich zu lange mit dieser “Identität” im Netz.

 

Die Kurz-URL zu diesem Artikel ist: http://gehirnknoten.de/4npus

10 Gedanken zu „Wenn es nervt, dann verlasse es – Kundenservice mit Füßen abstrafen“

  1. Noch ein paar Punkte für die Nerv-List:
    * Kopfzeilen von Mails in Spamverdacht sind nur sichtbar, wenn die Mail zuvor angezeigt wird.
    * Das GMX-Magazin (und der restliche GMX-Spam) können nicht gefiltert werden. (Mit einem Trick geht es aber doch, siehe unten)
    * Im Freemail-Account ist das Abbestellen des GMX-Magazins nicht möglich.
    * Die Prospekte können gar nicht abbestellt werden, kommen aber Gott-sei-Dank nicht per Mail

    Und noch ein paar Punkte, um GMX auch als Freemail Werbefrei zu bekommen:
    * Die Domain uimserv.net vollständig blocken.
    * Das Magazin kann mit einem kleinen Hack im DOM ganz schnell abbestellt werden
    * Filter erstellen, der erst einmal alle Mails, die nicht an den eigenen Account addressiert sind, nach Spamverdacht verschiebt. (Ungefähr so: Mails welche nicht an eigene.adresse@gmx.de addressiert sind, verschiebe nach Spamverdacht)
    * Wer die Möglichkeit hat, sich Mails an einen eigenen Mailserver weiterleiten zu lassen, sollte dies tun und dort folgende Regel einrichten:
    Wenn Absenderdomain @gmxnet.de, dann antworte mit Unzustellbarkeitsnachricht “550 5.7.1 Send this mail again and your domain will be blacklisted in SBL”. Wenn sie einmal diese Antwort bekommen, ist es vorbei mit der Werbung. Danach kann wieder umgestellt werden.

    1. Es ist eh eine gute Idee, Adserver und SPAM-Server in der eigenen hosts auf 127.0.0.1 umzuleiten.

      etc/hosts bzw. c:/windows/system32/drivers/etc/hosts

      mit root- bzw. Adminrechten bearbeiten.

      Das sorgt für ein deutlich ruhigeres Verhalten vieler Webseiten.

  2. Hi,
    Ich habe die selbe Überlegung angestellt und bin zu uberspace.de gewechselt, hosting (inkl mails) für einen frei wählbaren Preis (ab 1€/monat) zzgl Domain und wirklich super Service.
    Bei gmx habe ich eine komplette Weiterleitung eingerichtet, bei uberspace dann alle gmx Mails gefiltert…
    Jetzt bin ich dabei alle online konten zu ändern, aber das hat Zeit…

    1. uberspace.de schaue ich mir mal an. Aktuell ist posteo mein Favorit. Aber da lass ich mir Zeit mit der Entscheidung, es wird ja wieder eine Hochzeit für die nächsten 10 Jahre, bis der Dienst einen Höhenflug bekommt und den Service vergisst…

  3. Das Blocken der Domäne uimserv.net führt übrigens auch dazu, dass die AD-Blocker Warnung nicht erscheint. (Zumindest bei mir nicht.)

  4. Im großen und ganzen findet der Artikel meine Zustimmung. Mich ärgert lediglich, dass sich über Werbemaßnahmen (gern auch als Spam bezeichnet) für Freemail-Account-Nutzer beschwert wird. Wieso glaubt die Google-geprägte Nutzerschaft, alles müsse (scheinbar) kostenlos im Netz zu erhalten sein?! Von derartigen Schnorrern kann ich ein Lied singen. Das ist aber kein Ohrwurm mehr, sondern nervt nur noch.

    1. Na ja, ich bin ja zahlender Kunde und da erwarte ich eigentlich eine saubere Oberfläche.

      Sicherlich muss man als FreeMail Nutzer sich darauf einlassen, dass das Geschenk nun mal nicht umsonst ist. Nur muss man sich die Frage stellen, wie weit so ein Provider geht und was man schon als Selbstschutz betrachten muss. Ein sehr abschreckendes Beispiel ist die Seite von Kabel Deutschland. Da den Login zu finden, um an seine Rechnungen zu kommen ist umfangreicher als ein Ostersuchspiel in den Amazonas (seit einigen Wochen ist es besser geworden) und innerhalb des angemeldeten Portals findet man die Rechnung auch nicht auf Anhieb. Und wenn GMX vier(!) Login-Felder anbietet, wobei man für die kostenpflichtigen Logins extra klicken muss, dann muss ich sagen, dass alles an ausgeblendeter Werbung einfach für die Psychohygiene von Vorteil ist.

      1. “Und wenn GMX vier(!) Login-Felder anbietet, wobei man für die kostenpflichtigen Logins extra klicken muss”

        Stimmt, ist mir als Freemail-Nutzer (fast schon logischerweise) nicht aufgefallen. Das ist in der Tat eigenartig. Ich merke auch jetzt erst, dass ich an der falschen Stelle geantwortet habe. Meine “Verärgerung” bezog sich eigentlich auf die Antwort von “Sch_m”. Wer nicht bereit ist, für eine Dienstleistung/Werk/Ware Geld auf den Tisch zu legen, sollte halt mit anderer Leistung “zahlen”, somit die mitunter penetrante Werbung. Dass Du als zahlender Kunde unzufrieden bist, will ich gar nicht angreifen. Ich habe auch kostenpflichtige Dienste genutzt, die mit – übertrieben gesagt – zwei Klicks eingerichtet waren. Ein Abbestellen war aber nur über E-Mail möglich und man musste in der Tat auf die genaue Wortwahl achten. In der Anmeldebestätigung stand, wenn man den Dienst nicht mehr wünsche, ihn “deaktivieren” könne… Sofern man aber den Account inkl. aller Daten komplett gelöscht haben wollte, musste man das auch explizit so schreiben.

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