Geldbeutel

Mindestlohn, wer ist noch dabei, wer nicht?

Was haben die SPD-Mitglieder mit Parteibuch vermutlich alles für Hoffnungen in die GroKo gesetzt, wenn es um die Realisation des flächendeckenden Mindestlohns ging.

Inzwischen wird wohl die Freude in Resignation untergegangen sein, egal wie sich die SPD dafür feiert.

2011 schätzte man, dass ca 5,3 Mio Menschen unter 8,50€ die Stunde brutto verdienten. Das ist aber nur der theoretische Wert, weil der effektive Lohn wohl bei vielen niedriger liegt, wenn Überstunden weder bezahlt noch per Zeitausgleich abgegolten werden.

Langzeitarbeitslose gibt es in Deutschland ca. 1,1 Mio [1]. Etwa 20.000 von ihnen kommen in Beschäftigung [2], deren Arbeitgeber einen Zuschuss erhalten. Insgesamt sind es aber 180.000 pro Jahr, die wieder in Beschäftigung kommen. Diese sind von der Ausnahme betroffen.

Praktikanten werden keinen Mindestlohn erhalten. Das sind in Deutschland ca. 900.000 [3] bis eine Million Menschen, wovon ein Teil in Kurzzeitpraktika sind, die diese Regelung betreffen würden. Da eine gefestigte Größe zu finden, ist fast unmöglich. Nur ca. 11.000 Praktika sind sozialversicherungspflichtig [4] gemeldet, so kann man locker von 800.000 Praktikanten sprechen, die tatsächlich betroffen sind.

In Deutschland sind ca. 1,4 Mio Menschen in Ausbildung [5]. Davon unter 18 Jahre sind 28% [6], also ca 390.000 Menschen – ohne Mindestlohn.

Als letzter Streich werden wohl nun auch die Zeitungsausträger herausgenommen. Laut taz hat Berlin 4.000 Zusteller [7]. Also 4.000 Zusteller auf 3,4 Mio Menschen. In ganz Deutschland sind 160.000 Menschen tätig [8], um Tageszeitungen und Wochenblättchen zu verteilen.

Nahles hat aber auch bei Erntehelfern Zusagen an die Wirtschaft gegeben, diese bedingt herauszunehmen. Vermutlich soll ein eigenständiger Tarifvertrag auch unter Mindestlohn möglich sein. Damit wird die Aussage Flächendeckender Mindestlohn ad absurdum geführt. Denn wenn nun auch noch Branchen ausgenommen werden, ist wohl das ganze Konzept gescheitert. Es wird geschätzt, dass 270.000 Erntehelfer im Jahr [9] nach Deutschland kommen. 320.000 Erntehelfer arbeiten in Deutschland gesamt. Also ca 50.000 Deutsche Saisonarbeiter.

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Fazit

180.000 Langzeitarbeitslose, 160.000 Zeitungsausträger, 390.000 minderjährige Auszubildende dürfen sich schon jetzt bei der großen Koalition bedanken. 730.000 Menschen, die aufgrund von Sonderregelungen ausgenommen wurden.

800.000 Praktikanten bei denen man vermuten mag, dass die unter Kurzzeitpraktika fallen oder generell bisher kein Geld bekamen.

Damit wären wir schon bei 1,53 Mio Menschen.

Wenn wir noch die Erntehelfer dazu nehmen, schlagen sich noch 50.000 (Deutsche) + 270.000 Menschen drauf.

Frau Nahles spricht von 4 Mio Menschen [10], die vom Mindestlohn partizipieren werden. Sie unterschlägt damit die 1,5 Mio + x Menschen, die aus dem “Flächendeckend” herausgenommen sind. Also ganz grob 25% weniger.

Ein Viertel weniger Menschen, die eine Chance gehabt hätten wenigstens 8,50€ die Stunde zu erhalten. Ein Lohn, der jetzt schon nicht erlaubt, sich selbst oder gar eine ganze Familie zu ernähren. Aber das alles wird sowieso nicht vor Ende 2016 kommen. Dann ist es mit der großen Koalition vielleicht schon wieder vorbei.

Liebe SPD, war es das wert? Feiert nicht zu laut. Es könnte sein, dass man es euch übel nehmen wird.

Die Kurz-URL zu diesem Artikel ist: http://gehirnknoten.de/1PEJQ

Bildquellen

Ein Gedanke zu „Mindestlohn, wer ist noch dabei, wer nicht?“

  1. Der Grundgedanke Mindestlohn ist in erster Linie sicherlich nicht schlecht, aber hier wurde aus meiner Sicht nicht zu Ende gedacht. Es gibt einfach viel zu viele Ausnahmen und die Höhe des Mindestlohnes ist einfach noch viel zu gering. Davon können Familien nicht leben. Hier muss sich einfach noch einiges mehr tun.

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